Traumberuf: Hundephysiotherapeutin

In unserer Reihe "Traumberufe mit Hund" freuen wir uns über das Interview mit Martina Tobler, einer selbständigen Hundepyhsiotherapeutin aus der Schweiz, die in ihrem "Pfotenballett" Hunden durch ihre Behandlungen bei Problemen oder Erkrankungen des Bewegungsapparates Abhilfe leistet.
Simone Braun, 26.01.2019
Lesezeit: 5 Minuten

 

Wir freuen uns sehr über das Interview mit Martina Tobler, die eine eigene Praxis für Hundephysiotherapie namens "Pfotenbalette" in der Schweiz betreibt. Sie erzählt uns, wie sie zu ihrem Traumberuf gekommen ist und welche Rolle dabei ihr Golden Retriever namens Campino spielt.

Berufe rund um den Hund – HEUTE: Das "Pfotenballett"

 

Physiotherapie ist nicht nur für uns Menschen, sondern auch für unsere Hunde eine wirksame und schonende Methode zur Behandlung von orthopädischen, neurologischen oder altersbedingten Krankheitsbildern. Mit der Hundephysiotherapie sollen vor allem Schmerzen gelindert und dadurch die Lebensqualität verbessert werden. Andere wichtige Ziele sind Muskelaufbau und die Erhaltung bzw. Verbesserung von Gelenkbeweglichkeit und Mobilität. Dabei wird jeder Patient individuelle betrachtet und die Behandlungsmethoden auf ihn abgestimmt. Die Hundephysiotherapie ist aber nur als begleitende Behandlungsform zu verstehen. Ein Tierarzt kann hierdurch niemals ersetzt werden.

Das Interview zum Traumberuf

vawidoo: Liebe Martina, seit wann bist Du Hundephysiotherapeutin und wie kamst du auf diesen Beruf?

Martina: Seit 2014 führe ich meine Praxis Pfotenballett in der Schweiz in der Nähe von Zürich (wo ich seit über 20 Jahren lebe).
Ich hatte schon nach dem Abitur den Wunsch Tiermedizin zu studieren. Der Numerus Clausus lag damals aber nahe dem Notendurchschnitt „sehr gut“, so dass ich dies nicht realisieren konnte. Nach einem schweren Reitunfall im Jahr 2010 habe ich mich dann entschlossen, meinen Traum von der Arbeit mit den Tieren zu realisieren. Und so bin ich auf den neu entstandenen Berufszweig der Hundephysiotherapeutin gestossen.

 

vawidoo: Was macht ein Hundephysiotherapeut?

Martina: Eigentlich dieselbe Arbeit wie ein Humanphysiotherapeut. Die Patienten reden einfach eine andere Sprache, welche ich im Laufe meiner Arbeit gelernt habe. (Der eine Hund zeigt Schmerz durch Unterbrechen der Atmung, der nächste schaut mich kurz an...). Meine Techniken sind dieselben wie beim Menschen: manuelle Therapie, Lymphdrainage, Massage. Natürlich setzte ich auch Hilfsmittel ein, wie zum Beispiel einen therapeutischen Laser oder mein Unterwasserlaufband.

 

vawidoo: Wer sind Deine Kunden/Patienten? Mit welchen Problemen kommen sie typischerweise zu Dir?

Martina: Ich habe mehrere Gruppen von Patienten. Die erste Gruppe kommt, weil sie bei der Ausübung Ihrer Arbeit einseitige oder übermässige Belastung hat. Dazu gehören zB Diensthunde, welche durch das Beisstraining eine grosse Krafteinwirkung auf der Halswirbelsäule haben.

Die zweite Gruppe sind Senioren mit Altersbeschwerden. Diese Patienten zeigen häufig Arthrose-Schmerzen. Hier gebe ich den Besitzern sehr viele Hausaufgaben mit, dies vor allem um die Beweglichkeit zu erhalten.

Eine weitere Gruppe sind diejenigen mit Verletzungen, also die sogenannte Reha. Dazu gehören sehr häufig Kreuzbandrisse oder Muskelzerrungen. Diese passieren im Spiel oder auch an Turnieren. Ich habe auch Sporthunde in meiner Praxis.

Dann wären da die Patienten, die zum Konditionstraining auf das Unterwasserlaufband kommen. Damit sie dann bereit sind für ihren Einsatz als Lawinenhund oder Rettungshund.

Dies sind nur einige Beispiele, ich könnte noch viele weitere aufzählen.

 

vawidoo: Gab es in Deiner Tätigkeit als Hundephysiotherapeutin eine besonders rührende Geschichte? Erzählst Du sie uns?

Martina: Ich finde es gibt ganz viele rührende Geschichten und ich könnte damit Bücher füllen. Was ich aber bei all meinen Patienten hervorheben möchte, ist der absolute Wille, sich mit den gegebenen Umständen abzufinden. Hunde haben eine sehr hohe Schwelle, an der sie wirklich erst aufgeben, vorher wird mit guter Laune und andauernd gekämpft, aus der neuen Situation (Schmerzen, Einschränkungen usw.) das Beste zu machen. Davon können wir Menschen uns eine grosse Scheibe abschneiden.

 

vawidoo: Du hast selbst einen Hund, namens Campino. Ist Campino bei den Behandlungen anderer Hunde anwesend?

Martina: Ich habe das Glück, dass Campino ein sehr sanfter und liebenswürdiger Kerl ist. Darum kann er in 90 % der Fälle anwesend sein. Er wird dann oft von den Besitzern der Kunden gestreichelt, während ich am Arbeiten bin, was er natürlich sehr toll findet.

 

vawidoo: Welche Rolle spielt Campino in Deinem Leben?

Martina: Er verhilft mir zu Pausen, zu frischer Luft und zeigt mir jeden Tag aufs Neue wie „Lebensfreude” geht. Da ich ihn mitnehme zur Arbeit, sind wir meistens den ganzen Tag miteinander unterwegs. Somit spielt er für mich eine immens wichtige Rolle.

 

vawidoo: Wenn Du in den Urlaub fährst, geht Campino dann immer mit? Wenn ja, wo geht Ihr am Liebsten Ferien machen?

Martina: Die restlichen Ferien verbringen wir mit Campino in unserer Ferienwohnung in Davos oder sehr oft an der Nordsee (aktuell haben wir auch schon wieder im Juni zwei Wochen auf Juist gebucht). Wir bewegen uns sehr gerne bei maximalen Temperaturen um die 20 Grad und somit sind wir ein idealer Hundehaushalt J für einen Golden Retriever.

 

vawidoo: Kannst Du uns zum Schluss noch einen Tipp geben, auf was wir bei unseren Hunden besonders achten sollen bzw. wie wir unseren Hunden körperlich etwas besonders Gutes tun können?

Martina: Ja, das Gewicht ist leider stets ein grosses Thema. Vor allem der Teufelskreis zwischen weniger Bewegung im Alter, Überbelastung der Gelenke und meistens der gleich-bleibenden Menge an Futter macht sich dann leider in Übergewicht bemerkbar. Ein Hundealltag sollte vielseitig ausschauen, da meine ich alles von Kopfarbeit, über Nasenarbeit, Spielen, Sport (auch mal ein Sprint neben dem Fahrrad), Balancetraining auf einem Baumstamm, Beweglichkeit um einen Laternenpfosten herum. Was man bereits als Welpe beginnt, bleibt ein ganzes Hundeleben lang möglich!

 

vawidoo: Liebe Martina, wir danken Dir ganz herzlich für das schöne Interview!

Liebe Leserinnen und Leser: vielen Dank für Euer Interesse!

PS: Die Praxis für Hundephysiotherapie "Pfotenballett" von Martina Tobler befindet sich in Regensdorf im Kanton Zürich in der Schweiz. Wer sich über ihre Arbeit informieren möchte, kann dies über ihre Website machen

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von Martina Tobler.

Disclaimer: Wir haben für dieses Interview kein Geld erhalten.

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