Rettungshunde - Lebensretter auf 4 Pfoten

Wer hat nicht schon von erfolgreichen Rettungseinsätzen mit Hilfe von Hunden gehört. Nach Erdbeben und Lawinen, aber auch in der Flächensuche nach z.B. vermissten Kindern oder Verunglückten, kommen Rettungshunde oft zum Einsatz. Mit Hilfe ihrer besonderen Nasen sind sie wahre Lebensretter. Aber wer steht hinter den Rettungshunden, wer bildet sie aus? Die Rettungshundestaffelführerin Amrei Groß erzählte uns in unserem Interview von ihrem Leben mit ihren beiden Rettungshunden Anouk und Clover.
Simone Braun, 27.01.2019
Lesezeit: 5 Minuten
Zwei weiße Schäferhunde mit Schneebrille im Schnee

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Ganz zufällig ist ein Kontakt zu Amrei Groß, der Rettungshundestaffelführerin des BRH Bundesverband Rettungshunde e.V. aus Ulm entstanden. Aufgrund meiner Begeisterung für Rettungshunde ist sie meiner Bitte, von ihr und ihren beiden Rettungshunden zu erzählen, sogleich nachgekommen. Amrei hat uns in unserem Interview interessante Einblicke in ein tolles und verantwortungsvolles Ehrenamt gegeben. 

Das Ehrenamt: Rettungshundeführer(-in)

Rettungshundeführerin mit Rettungshund

vawidoo: Seit wann bist Du für die Rettungshundestaffel tätig?

Amrei: Ich bin im März 2007 mit meiner damaligen Weißen Schweizer Schäferhündin Kira zur Rettungshundestaffel der Feuerwehr Ulm gekommen und seither aktiv.

vawidoo: Welche Funktionen gibt es bei der Rettungshundestaffel und welche ist Deine?

Amrei: Innerhalb der Staffel gibt es verschiedene Funktionen. Zentral für unsere Arbeit sind natürlich die Rettungshundeführer, die mit ihrem Hund auf die Suche nach Vermissten und Verschütteten gehen. Mindestens genauso wichtig sind jedoch Helfer ohne Hund: Sie fungieren im Training als Versteckpersonen und unterstützen im Einsatz die Hundeführer als Suchtrupphelfer – sie übernehmen zum Beispiel die Orientierung im Gelände, halten den Funkkontakt zur Zugführung und sichern das Suchteam auch im Verkehr ab. So kann sich der Hundeführer in der Suche ganz auf seinen Hund konzentrieren.

Ansprechpartner für die Polizei ist immer der Zugführer unserer Staffel. Er bekommt bei größeren Einsätzen Unterstützung durch einen oder mehrere Gruppenführer und Einsatzassistenten. 

vawidoo: Wieviel Hunde hast Du und haben sie alle eine Ausbildung als Rettungshund?

Amrei: Mein Verlobter und ich haben zwei Hunde, die beide geprüfte Rettungshunde sind. Meine erste Rettungshündin Kira, mit der ich 2007 angefangen habe, ist zwischenzeitlich leider verstorben. Im Moment leben in unserer Familie Anouk (6,5 Jahre, Weißer Schweizer Schäferhund) und Clover (3 Jahre, Weißer Schweizer Schäferhund). Beide sind einsatzfähige Rettungshunde für die Suche nach Vermissten in der Fläche und nach Verschütteten in den Trümmern, zudem sind beide ausgebildete Lawinensuchhunde.

vawidoo: Wie kamst Du dazu, dies zu machen?

Amrei: Durch puren Zufall: Als Kira kurz vor meinem Abitur bei mir eingezogen ist, hatte ich eine Klassenkameradin, deren Vater in der Rettungshundestaffel Ulm aktiv war. Als ich erzählt habe, dass ich einen Welpen habe, meinte sie: Soll ich mal meinen Vater fragen, ob du ins Training kommen kannst? Seither sind wir dabei.

vawidoo: Wieviel Zeit steckst Du in dieses außergewöhnliche Hobby?

Amrei: Rettungshundearbeit ist extrem zeitaufwändig. Wir trainieren zwei Mal pro Woche für mehrere Stunden. Insgesamt kommt jeder Aktive auf rund 300 Übungsstunden pro Jahr. Dazu kommen Sonderveranstaltungen wie Ausbildungswochen und –wochenenden, Prüfungen, Vorführungen, Arbeitsdienste, … - und natürlich die Einsätze. Pro Jahr werden wir im Schnitt 20 Mal alarmiert.

vawidoo: Wie viele Einsätze hast Du schon absolviert und welcher Art waren diese?

Amrei: So genau weiß ich das gar nicht mehr – um die 250 bis 300 werden es aber gewesen sein. Die meisten davon sind Flächensuchen, also Einsätze, bei denen Menschen in weitläufigen Waldgebieten, Parkanlagen oder auf Freiflächen vermisst werden. Wir suchen oft Senioren und immer wieder Kinder, aber auch Unfallbeteiligte, die im Schock vom Unfallort weggelaufen sind, gestürzte Reiter, verunglückte Freizeitsportler, Menschen in psychischen Ausnahmesituationen. In meiner Zeit als Rettungshundeführer habe ich außerdem zwei Trümmereinsätze erlebt – zuletzt, als nach einer Gasexplosion ein Wohnhaus komplett zerstört wurde.

Rettungshundeführer mit Rettungshund sucht in Trümmern

vawidoo: Wie bereitet ihr euch für den Ernstfall vor?

Amrei: Wir trainieren regelmäßig an neuen Orten und möglichst abwechslungsreich. Unsere Hunde lernen, mit verschiedensten Arten von Ablenkung umzugehen. Sie müssen im Ernstfall unter allen Bedingungen ihren Job machen – egal, ob in den Trümmern Essen herumliegt, andere Einsatzkräfte in unserem Suchgebiet ebenfalls bei der Arbeit sind, Generatoren laufen, Hubschrauber fliegen oder andere Hunde frei herumlaufen.

vawidoo: Ich nehme an, ihr trainiert den Ernstfall. Stellt ihr die unterschiedlichsten Szenarien im Training nach?

Amrei: Ja, wir sind im Training oft sehr kreativ. Da wird schon mal unmittelbar neben einem Verschütteten in den Trümmern leckere Wurst ausgelegt, eine Versteckperson mitsamt Hund versteckt oder es gibt Bereiche, die der Hundeführer nicht betreten darf. Wir versuchen immer, Hundeführer und Hunde herauszufordern. Nur so können wir jedes Training noch besser werden.

vawidoo: Wie oft trainiert ihr den Ernstfall?

Amrei: Zwei Mal pro Woche

vawidoo: Waren Deine Hunde bereits bei einer echten Rettungsaktion dabei und waren sie dabei immer erfolgreich?

Amrei: Alle meine Hunde waren bereits an vielen Realeinsätzen beteiligt. Erfolg ist dabei relativ: Ganz oft ist unser Einsatzerfolg nicht, die vermisste Person zu finden, sondern der Polizei sagen zu können: Hier ist sie nicht. Manchmal kommen wir zu spät, um Leben zu retten und können den Vermissten nur mehr tot finden. Auch das finde ich aber wichtig, denn nur dann haben die Angehörigen Gewissheit über das Schicksal eines geliebten Familienmitglieds und können Abschied nehmen. Und, auch das ist wichtig: Es findet niemand, der nicht darauf vorbereitet ist, irgendwann eine Leiche im Wald.

Rettungshund wartet auf Hubschrauber

vawidoo: Was ist Deine weiteste Entfernung für einen Einsatz bislang?

Amrei: Unser am weitesten entfernter Einsatz war in München. Die allermeisten unserer Suchen bewegen sich jedoch in und um Ulm sowie in den benachbarten Landkreisen.

vawidoo: An welchen Einsatz erinnerst Du Dich am meisten? Was war das Besondere dabei? Welcher war am emotionalsten?

Amrei: Es gibt viele Einsätze, die einem in Erinnerung bleiben. Ein ganz außergewöhnlicher Einsatz war mit Sicherheit die Suche nach einer entführten Bankiersfrau, an der wir 2010 beteiligt waren. Damals wurde befürchtet, die Frau könnte von ihren Entführern in hilfloser Lage im Wald zurückgelassen worden sein.

vawidoo: Wie viele Hunde gehören zu Eurer Rettungshundestaffel?

Amrei: Zu unserer Staffel gehören Stand Januar 2019 16 geprüfte Rettungshunde und 15 Rettungshunde in Ausbildung.

vawidoo: Für welche Einsatzarten seid ihr besonders ausgebildet?

Amrei: Wir bilden Hunde für die Flächensuche, die Trümmersuche und im Bereich Mantrailing aus. Zudem trainieren einzelne Hundeführer die Suche nach Vermissten am Wasser sowie die Arbeit in der Lawine.

Rettungshund sucht nach Verletzten im Schnee

vawidoo: In welchem Umkreis könnt ihr eingesetzt werden?

Amrei: Unser Haupt-Einsatzgebiet sind Ulm und der Alb-Donau-Kreis. Darüber hinaus werden wir aber von benachbarten Staffeln oft nachalarmiert und unterstützen dann auch in weiter entfernten Landkreisen.

vawidoo: Welche Voraussetzungen muss ein Hund mitbringen, damit er als Rettungshund in Betracht kommt?

Amrei: Fast jeder arbeitsfreudige Hund kann Rettungshund werden. Er sollte zu Ausbildungsbeginn nicht älter als drei Jahre alt sein und keine Aggression gegen Menschen und andere Hunde zeigen. Grundsätzlich geeignet sind alle leistungswilligen, aufgeschlossenen Hunde, wenn sie körperliche Gesundheit, Nervenstärke und Lernfreude mitbringen. Das spielerische Training kann bereits im Welpenalter beginnen.

vawidoo: Welche Voraussetzungen muss der Hundehalter mitbringen?

Amrei: Der Hundeführer muss bereit sein, mit seinem Hund an Einsätzen teilzunehmen. Er braucht eine grundlegende Fitness für Suchen im Gelände, muss unbedingt teamfähig sein (denn alleine erreicht man in der Rettungshundearbeit nichts) und er muss sich darüber im Klaren sein, dass er im Einsatz oft belastende Situationen erleben wird. Und, ganz wichtig: Er braucht eine Familie, die bereit ist, sein Engagement mitzutragen. Denn in der Rettungshundearbeit ist man oft unterwegs – und Einsätze kommen immer dann, wenn es gerade gar nicht passt. Am eigenen Geburtstag, an Heiligabend, an Silvester. Dann muss man los.

vawidoo: Wie lange dauert eine Ausbildung zum Rettungshund, was kostet sie und wo kann ich eine solche Ausbildung machen?

Amrei: Die Ausbildung zum Rettungshund dauert zwei bis drei Jahre. Danach gehen Mensch und Hund in die Prüfung. Diese muss jährlich wiederholt werden, die Ausbildung endet also nie. Kosten im klassischen Sinne entstehen kaum – lediglich ein überschaubarer Mitgliedsbeitrag für die Zugehörigkeit zur Staffel. Allerdings fährt jedes Mitglied unserer Staffel viele tausend Kilometer im Jahr zu Übungen – die Kosten dafür trägt jeder selbst, ebenso wie die Kosten für Leuchthalsbänder für den Hund, sein Belohnungsspielzeug, den Tierarzt, etc.

vawidoo: Woraus finanziert sich die Rettungshundestaffel?

Amrei: Wir finanzieren uns zum großen Teil durch Spenden. Einsätze werden grundsätzlich kostenlos geleistet, wir arbeiten rein ehrenamtlich.

vawidoo: Welche Unterstützung könnt ihr gebrauchen?

Amrei: Zum einen Geld – daran mangelt es immer. Wir müssen in den nächsten Jahren zwei Einsatzfahrzeuge neu beschaffen, da sowohl unser Einsatzleitwagen als auch unser Mannschaftstransporter nach vielen Jahren zwischenzeitlich erheblich reparaturanfällig sind.

Zum anderen freuen wir uns immer über neue Trainingsgebiete, damit unsere Hundeführer und Hunde mit immer neuen Situationen konfrontiert sind. Dafür ist im Prinzip fast alles geeignet – Wald- und Freiflächen, aber auch Abbruchgebäude, Bauschuttdeponien, Lagerhallen, Industrieanlagen…

vawidoo: Liebe Amrei, wir danken Dir herzlich für das unterhaltsame Interview!

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SPENDENAUFRUF

Die Mitglieder der BFH-Rettunngshundestaffel Ulm e.V. sind ehrenamtlich tätig. Sämtliche Einsätze sind kostenlos. Da sich der Verein allein aus Spenden finanziert, ist er genau auf diese angewiesen. Die BFH-Rettunngshundestaffel Ulm e.V freut sich deshalb über jede Spende.

Spenden kannst Du an

Rettungshundestaffel Ulm
Konto-Nr.: 23063
BLZ: 630 500 00
IBAN: DE75630500000000023063
BIC: SOLADES1ULM
Bank: Sparkasse Ulm

Mitgliedschaft

Helfe mit, durch Deine Fördermitgliedschaft, um einen funktionierenden Rettungsdienst zu erhalten!
Fülle dazu einfach den Aufnahmeantrag aus.

Den ausgefüllten Antrag schicke dann bitte an die

BRH-Rettungshundestaffel Ulm e.V.
Am Sandhaken 41
89079 Ulm

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von Amrei Groß.

Disclaimer: Wir haben für dieses Interview kein Geld erhalten und möchten mithelfen, dieses tolle Engagement zu fördern.

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