Mehrhundehaltung: Das Richtige für mich?

Ein weiterer Hund soll her, denkst Du. Doch will so ein Schritt wohl überlegt sein. Wir haben die wichtigsten Überlegungen rund um die Erweiterung Deines Rudels für Dich zusammengestellt.
Simone Braun, 24.09.2018
Lesezeit: 5 Minuten

Aktuelle Zahlen

Ich weiss nicht, wie es Dir geht, gefühlt treffe ich auf immer mehr Menschen mit mehr als nur einem Hund. Aktuelle Zahlen belegen dies: 2017 gab es hierzulande 10,44 Mio. Haustierbesitzer mit mindestens einem Hund. Zusätzlich dazu gibt es 1,68 Mio. Haustierbesitzer mit zwei und mehr Hunden. Tendenz steigend.

Der Wunsch nach Mehrhundehaltung

Fast kein Mehrhundehalter startet sofort mit mehreren Hunden. Zuerst wird in der Regel nach intensiver Recherche der Traumhund ausgesucht und der erste Hund in die Familie aufgenommen. Dann wächst irgendwann der Wunsch, sich einen weiteren Hund anzuschaffen. Gründe dafür gibt es viele.

Dass die Anschaffung des ersten Hundes bereits einiges an Recherche, Besuchen bei Züchtern, Gespräche mit Haltern der ersehnten Rasse mit sich gebracht hat, vergisst man schnell wieder. Sich jedoch einen weiteren Hund anzuschaffen, ist erneut mit einigen Herausforderungen, intensiver Recherche und Erfahrungsaustausch mit Hundetrainern, Züchtern und anderen Hundehaltern verbunden. Wie also solltest Du vorgehen?

Ein weiterer Hund, wirklich?

Zuerst stellt sich die Frage: Warum möchtest Du einen weiteren Hund anschaffen? Ist die Entscheidung wohl durchdacht, oder nur so aus der aktuellen Stimmung heraus?

Wenn bereits ein Hund im Haushalt lebt

Solltest Du bereits einen Hund haben, ist es wichtig, schon im Vorfeld darüber nachzudenken, wie Dein Hund auf den neuen Mitbewohner reagieren wird.

Gut vorbereitet bist Du und Dein Hund, wenn:

  • Dein Hund gern andere Hunde trifft
  • Dein Hund ohne große Probleme 4-6 Stunden alleine bleiben kann. Jedoch sollte das nicht der Freibrief dafür sein, dass dann mehrere Hunde sehr oft sehr lange alleine bleiben müssen.
  • Dein Hund die Grundkommandos wirklich beherrscht
  • Dein Hund brav an der lockeren Leine läuft, und sich von anderen Hunden kaum stören lässt
  • Dein Hund älter als 15 Monate ist
  • Dein Hund generell entspannt und gelassen ist

Eine größere Herausforderung wird die Anschaffung eines weiteren Hundes wenn:

  • Dein Hund nicht jeden mag, wählerisch ist und die Sympathie und Tagesform entscheidet
  • Bei fremden Hunden etwas an der Leine zieht, oder bei fremden Hunden gelegentlich bellt
  • Dein Hund die Grundkommandos (noch nicht) sicher beherrscht. (Hier hast Du die Herausforderung, immer gleichzeitig beide Hunde erziehen zu müssen. Was das bedeutet, kannst Du weiter unten nachlesen).

Echte Probleme erwarten Dich, wenn Dein Hund:

  • Mit fremden Hunden generell nicht gut auskommt
  • Nicht an der Leine gehen kann
  • Nicht alleine bleiben kann
  • Jünger als 15 Monate ist
  • Aggressiv ist oder nicht auf Kommandos hört

Hier solltest Du auf jeden Fall mit einem Hundetrainer sprechen. Der kann dir in der Regel sagen, inwieweit Dein Hund lernen kann, einen weiteren Spielgefährten in seinem Rudel zu akzeptieren. Möglicherweise kommst Du dann aber auch zu dem Schluss, um vorprogrammierten Stress für alle Beteiligten zu vermeiden, Dich gegen einen Zweithund zu entscheiden oder mit der endgültigen Entscheidung noch ein paar Monate zu warten.

Bedenke: Dein jetziger Hund hat seine Rituale, kennt alle Abläufe, lebt allein und plötzlich kommt da so einer daher, der alles durcheinanderbringt und ihm seinen Platz streitig macht. Seine Spielzeuge werden plötzlich von einem anderen Hund benutzt, das Frauchen gibt nicht mehr nur ihm die volle Aufmerksamkeit, da steht plötzlich ein weiterer Napf, sein Schlafplatz wird benutzt und der neue Gefährte möchte ebenfalls ungeteilte Aufmerksamkeit haben und mit Herrchen spielen.

Wenn noch kein Hund im Haushalt vorhanden ist

Experten raten generell davon ab, sich gleichzeitig zwei Hunde anzuschaffen. Selbst bei zwei Welpen kann es sehr kompliziert sein, beide Hunde zu erziehen, da die Hundeerziehung bei einem Welpen allein schon sehr schwierig und zeitaufwendig ist.

Weitere Tipps und Ratschläge

Rassen

Es ist generell zu empfehlen, vergleichbare Hunderassen anzuschaffen.

Hunde, die viel Auslauf brauchen wie z.B. Border Collies, Jack Russell Terrier, Border Terrier, Dalmatiner, Australian Shepherd, Rhodesian Ridgebacks, Weimaraner etc., haben ganz andere Anforderungen an den Halter als gemütlichere Hunderassen wie beispielsweise Mops, Französische Bulldoggen, Berner Sennen Hunde, Chihuahua oder Malteser, um nur einige zu nennen.

Ob ein Chihuahua viel Spaß mit einer Dogge oder einem Deutschen Schäferhund haben wird, darf auch bezweifelt werden.

Wer sich mit dem Thema der unterschiedlichen Charaktere und der Rudelstruktur genauer auseinandersetzen möchte, dem empfehlen wir die Lektüre des Artikels von Jan Fuhlrott in der Zeitschrift „Liebespfote“ Juli/August 2018, S. 60ff.

Geschlechter

Interessanterweise verstehen sich eine Hündin und ein Rüde oftmals besser als gleichgeschlechtliche Paare. Rüden tendieren dazu, insbesondere in einem späteren Alter, Rangkämpfe aus zu fechten. Zwei Hündinnen zusammen, naja, wie Weibchen halt so sind😊. Wir hören von Fällen, in denen die Besitzer keinen anderen Ausweg mehr wussten, als einen der beiden abzugeben.

Erziehung

Wie bei Kindern auch, schauen sich die Hunde Verhaltensweisen voneinander ab. Dies gilt für positive, aber natürlich auch für negative Angewohnheiten. Das bedeutet, dass ein Zweithund keinesfalls Problemlöser für Probleme mit dem ersten Hund sein kann, sondern diese eher verstärken wird.

Eingewöhnung

Man sollten durchaus mit einigen Wochen Eingewöhnung rechnen, bis sich die Tiere aneinander gewöhnt haben. Dabei kann helfen, die beiden Tiere zuerst getrennt voneinander zu füttern. Auch sollten die ersten Gassirunden getrennt erfolgen, damit sich der Neuankömmling an sein neues Frauchen und an die neue Umgebung gewöhnen kann. Nach einiger Zeit können die Spaziergänge dann gemeinsam erfolgen. Dabei solltet ihr darauf achten, Leinenführigkeit auf jeden Fall einzeln trainieren.

Urlaub als Mehrhundehalter

Wir von vawidoo bekommen sehr viele Anfragen von Hundehaltern, die mehr als einen Hund haben und die sich mit dem Thema eines gemeinsamen Urlaubs mit ihrem ganzen Rudel sehr intensiv auseinandersetzen.

Und dank vawidoo ist es mittlerweile auch kein Problem mehr, den Urlaub gemeinsam mit Deinen Lieblingen zu verbringen. Wir bringen Dich dorthin, wo Du wirklich willkommen und nicht nur geduldet bist. Passende Unterkünfte für Mehrhundehalter findest Du demnächst in unserem Reiseportal.

Fazit zur Mehrhundehaltung

Sind alle diese Hürden erst einmal erfolgreich überwunden, steht einem wunderbaren Leben im großen Rudel nichts entgegen. Mehrhundehalter sind in der Regel glückliche Menschen, die sich voll und ganz Ihren Lieblingen verschrieben haben. Man sollte den Aufwand und die Herausforderungen aber auch nicht unterschätzen, denn bei schwierigen Hunde-Charakteren kann ein größeres Rudel den Besitzer sehr viel Zeit und Nerven und damit wertvolle Lebensqualität kosten.


Referenzen

Statista, Stand 2018

Liebespfote Magazin Juli/August 2018 S. 60 ff, erschienen im Verlag Hochglanz GmbH

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