Zecken - So schützt Du Deinen Hund

2018 ist die Verbreitung von Zecken um mehr als 50% gestiegen. Neue Zeckenarten wie die Auwaldzecke breiten sich aus und übertragen gefährliche Krankheiten. Eingewanderte tropische Zeckenarten verbreiten Krankheiten wie das Anaplasma, den Krim-Kongo-Virus oder das Heartland-Virus. Wir erklären Dir, was Du beachten musst, um Krankheiten vorzubeugen und Deinen Liebling (und auch Dich und Deine Familie) zu schützen. Ein umfassender Ratgeber.
Jochen Braun, 31.03.2019
Lesezeit: 7 Minuten
So schützt Du Deinen Hund vor Borreliose und Babesiose

Warum Zecken gefährlich sind

Der Stich der Zecke an sich ist nicht bedrohlich, Zecken können jedoch gefährliche Krankheiten wie die Lyme-Borreliose, FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), Babesiose oder Anaplasmose übertragen. Etwa jede dritte bis fünfte Zecke trägt Erreger in sich.

Zeckenzeit

Zecken kommen in Deutschland, abhängig von der Witterung, vor allem von März bis Juni/Juli und dann wieder von September bis Oktober in großer Zahl vor. Auch in der kalten Jahreszeit ist man vor den Plagegeistern nicht gefeit. Die ersten Zecken werden bei ca. 7 °C aktiv. Feuchte Sommermonate begünstigen Zecken. Optimale Lebens- und Entwicklungsbedingungen bestehen für die Zecke bei Temperaturen zwischen 17 bis 20°C Umgebungstemperatur und bei 80 bis 95% Luftfeuchtigkeit.

In Südeuropa treten Zecken nahezu das ganze Jahr von Januar bis November auf. In nordeuropäischen Ländern ist die Zeckenzeit überwiegend von Juni bis September.

So sehen Zecken aus:

Gefährdungsgebiete in Deutschland

Das Robert-Koch-Institut hat derzeit (Stand März 2019) 161-FSME-Risikogebiete in Deutschland gelistet. Die übersichtliche Karten hierzu kannst du über den am Ende aufgeführten Link zur Website des RKI downloaden.

Zeckengebiete in Europa hat die Website zecken.de aufgelistet, den Link dazu findest Du ebenfalls am Ende des Beitrags.

Zecken Risikogebiete in Deutschland

Prävention / Prophylaxe

Gerade jetzt in der Frühlingszeit solltest Du Dich und Deinen Hund nach jedem Spaziergang durch Gras oder Wald nach Zecken absuchen. Die Zecken sind in der Regel gut auf dem Fell oder der Haut zu erkennen.

Die ständige Impfkommission für Tiermedizin rät dazu, gefährdete Hunde gegen Borreliose impfen zu lassen. Helfen können auch Zeckenschutzmittel wie Kautabletten, Spot-ons oder Sprays.

Kautabletten wirken von innen für einen Zeitraum von etwa 4 Wochen. Manche Präparate werben damit, bis zu 3 Monate zu wirken. Die darin enthaltenen Wirkstoffe sorgen dafür, dass die Zecke stirbt und abfällt, bevor sie Krankheiten übertragen kann.

Spot-ons werden im Nacken des Hundes aufgetragen. Die Substanzen verhindern, dass die Zecken stechen oder sie töten sie beim Saugen. Dasselbe gilt für Sprays, welche ins Fell gesprüht werden. Auch diese Substanzen wirken für etwa 4 Wochen, bevor sie erneut angewandt werden sollten.

Beachte: Die außen aufgetragenen Mittel sollten nicht verwendet werden, wenn sich Dein Hund viel im Wasser aufhält, denn dann werden sie ausgewaschen und die Wirkung lässt nach bzw. geht gänzlich verloren.

Unsere Leserinnen Nadin und Corina und haben gute Erfahrungen mit EM - Halsbändern bei ihren Hunden gemacht, wie sie in Kommentaren auf Facebook schreiben.

Zur Erläuterung: EM steht für "Effektive Mikroorganismen". Diese sollen die Zecken davon abhalten, den Hundeorganismus zu befallen. Das Hundehalsband ist dabei mit EM-Keramik-Pipes ausgestattet, die u.a. Milchsäurebakterien, Hefen, Photosytnese-Bakterien, Aktinomyzeten und Ferment-aktive Pilzarten enthalten.

Kleiner Hinweis:

Nicht alles, was der Markt gegen Zeckenbefall so bereithält, ist gegen Zecken geeignet. Manche Zeckenhalsbänder, ätherische Öle oder Bernsteinketten haben sich als unpraktisch oder unwirksam erwiesen. Hier gilt es, diese Mittel selbst auszuprobieren.

Hilfe! Eine Zecke, was tun?

Entferne die Zecke möglichst schnell! Das Risiko, an Babesiose oder Borreliose zu erkranken, steigt mit der Dauer des Blutsaugens an. Gerade die ersten 24 Stunden sind entscheidend, denn Keime werden erst nach etwa 16 bis 24 Stunden nach Einstich übertragen. Daher gilt: Je schneller Du die Zecke entfernst, umso geringer ist das Risiko einer Infektion.

Wie entferne ich Zecken am besten?

Am besten los wird man die Viecher mit einer Zeckenzange. Hersteller empfehlen, sie mit einem speziellen Drehmechanismus aus der Haut zu lösen. Die verbleibenden Reste (normalerweise Überbleibsel der Vorderbeine, nicht der Kopf) werden von der Haut in der Regel selbst ausgeschieden. Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt, die Zecken gerade herauszuziehen. Probiere einfach aus, was bei Dir am Besten funktioniert.

Versuche keinsfalls, die Zecke mit der Hand herauszuziehen oder sie mit Öl, Wasser, Butter, Klebstoff oder ähnlichem zu töten und zu entfernen! Gerade in dem dann länger dauernden Todeskampf sondert die Zecke weitere Sekrete und Keime ab und versucht, sich tiefer ins Fleisch zu bohren. Das Risiko einer Infektion ist dann besonders groß.

Alternativen zur Zeckenzange sind das Zeckenlasso oder die Zeckenkarte. Die Anwendung einer Zeckenzange hat sich nach unserer Erfahrung jedoch als die effektivste und schnellste Methode erwiesen.

Nachdem die Zecke entfernt wurde, sollte man sie zerdrücken, denn Zecken können etwa eine Woche unter Wasser überleben, daher sollten sie nicht im Waschbecken oder der Toilette entsorgt werden.

Wie kommt die Zecke auf den Hund?

  1. Manche Zeckenarten klettern auf eine Pflanze oder einen Grashalm und halten sich mit den Hinterbeinen fest. Die vorderen Beine strecken sie aus und wenn ein potentieller Wirt sie berührt, krallen sie sich fest.
  2. Andere Zeckenarten machen sich krabbelnd auf die Suche nach ihrem Opfer. Über Sensoren nehmen sie Atem und Schweiß ihrer Wirte wahr und befallen diese.

Durch Lichtveränderung und Vibrationen erkennen Zecken potenzielle Wirte. Sie hängen sich mit den Vorderbeinen an alles, was als Wirt in Frage kommt und krabbeln dann auf Tiere oder Menschen. Das geht solange, bis sie eine geeignete, feuchte und warme Einstichstelle an der Haut des Wirtes gefunden haben. Bei Hunden sind dies oft die Schnauze, hinter den Ohren, am Auge, unter dem Halsband oder in den Beugen der Beine. (Siehe dazu auch unser Schaubild). Allerdings solltest Du immer den ganzen Hundekörper absuchen.

Wo Du beim Hund zuerst nach Zecken suchen solltest

Bei Menschen findet man sie bevorzugt in den Kniekehlen, am Haaransatz, in der Beuge der Leiste oder der feinen Haut hinter den Ohren. Ich selbst hatte aber schon eine Zecke an der Hüfte und dachte erst, das ist ein Gewächs.

Die Zecke saugt mit Hilfe eines Stachels Blut. Damit das Blut während des Saugens nicht gerinnt und die Zecke möglichst unbemerkt bleibt, sondert sie Blutgerinnungs- und Betäubungsmittel ab.

Da die Zecke nach etwa 16-24 Stunden während der Blutaufnahme alte Nahrungsreste abgibt, können dabei die gefährlichen Krankheiten übertragen werden.

Die am häufigsten von Zecken verursachten Krankheiten

Borreliose

Die Borreliose ist für Menschen gefährlicher als für Hunde. Allerdings können auch Hunde erkranken.

Symptome beim Hund

Anfangs zeigen sich Symptome wie Appetitlosigkeit und erhöhte Temperatur (bis 40,5 Grad), jedoch verschwinden diese oft wieder. Erst nach einigen Wochen oder Monaten treten Borreliose-Symptome wie schmerzhafte Gelenkentzündungen auf und der Hund lahmt. Manchmal sind auch Organe und das Nervensystem befallen.  

Der Tierarzt erkennt die Borreliose daran, dass zuerst die Gelenke schmerzen, welche der Einstichstelle am Nächsten sind und er macht dann den C6 Antikörpertest. Ist Dein Hund erkrankt, muss er in der Regel bis zu 4 Wochen Antibiotika einnehmen.  

Anaplasmose

Die Erreger kommen seltener vor, jedoch sind rund ein Fünftel aller Hunde infiziert, was jedoch nicht bedeutet, dass die Krankheit ausbricht.

Symptome beim Hund

7 bis 14 Tage nach der Infektion leiden die Hunde zuerst unter Schwäche, Fieber und Appetitlosigkeit. Bei 60 Prozent der erkrankten Tiere schwillt die Milz an, die Hunde leiden an Schmerzen an Gelenken und am Bewegungsapparat.

Der Tierarzt diagnostiziert Anaplasmose mittels Blutuntersuchung im Labor. Auch die Anaplasmose wird mit Antibiotika behandelt.

Babesiose (auch „Hundemalaria“ genannt)

Laut Wikipedia ist die Babesiose „eine Infektionskrankheit bei Hunden, die eine Zerstörung der roten Blutkörperchen und damit eine mehr oder weniger ausgeprägte Blutarmut (Anämie) hervorruft. Die Erkrankung verläuft meistens akut mit hohem Fieber und endet ohne Behandlung binnen weniger Tage tödlich.“

Babesiose tritt nur in der Nähe von Flüssen mit Auenlandschaften auf und wird durch die Auwaldzecke übertragen. Ca. 48 bis 72 Stunden nach Einstich erfolgt die Übertragung der Erreger.

Symptome beim Hund

Die ersten Symptome treten nach ein bis drei Wochen auf. Hohes Fieber, Appetitlosigkeit und ein apathisches Verhalten deuten auf die Erkrankung durch Babesiose hin. Da rote Blutkörperchen fehlen, färbt sich der Urin oft rot oder rotbraun. Bei längerem Krankheitsverlauf entsteht eine Gelbsucht und das Gehirn kann stark geschädigt werden.

Behandelt wird die Babesiose mit Antiprotozoika wie Imidocarb oder Diminazen. Manche Hunde benötigen Infusionen oder Bluttransfusionen.

FSME

FSME ist nur für Menschen gefährlich, für Hunde bleibt eine Erkrankung meist ohne Folgen.

Laut des Robert-Koch-Instituts steht die „FSME für Früh­sommer-Meningo­enzephalitis und ist eine vom FSME-Virus ausgelöste, von Zecken übertragene Erkrankung. In Deutschland treten jedes Jahr 200 bis 500 Fälle in allen Alters­gruppen auf. Die FSME verläuft meist mit nur leichten Beschwerden wie Kopf­schmerzen oder Fieber. In bis zu einem Drittel der Fälle – vor allem bei älteren Personen – kann es jedoch zu einer Infektion des zentralen Nerven­systems kommen, die sich z.B. als Hirnhaut­entzündung äußert.“

Häufige Zeckenarten

Schildzecke

Schildzecken haben eine lederartig dehnbare Haut. Die Zecke ist etwa 5mm groß, und nimmt im vollgesaugten Zustand etwa die doppelte Größe ein. Sie tritt besonders in hohen Gräsern, im Unterholz und an Waldrändern auf. Sie befällt eine breite Palette an Wirten wie Wildtiere, Schafe, Ziegen und eben auch unsere geliebten Hunde. Diese Zecken, von der es etwa 200 Unterarten gibt, überträgt u.a. die Babesiose an Hunde.

Die bekannteste Art ist der Gemeine Holzbock. Die Tiere sind etwa 3-4 mm groß und erreichen in vollgesaugtem Zustand eine Größe von 10mm. Der Holzbock sitzt in der Regel auf niedrigen Blättern und klammert sich an vorbei streifende Wirte.

Gemeiner Holzbock in vollgesaugtem Zustand

Diese Zeckenart überträgt die bekannten Krankheiten wie Borreliose, Babesiose und FSME.

Auwaldzecke

Eine relativ neue, leider gefährliche Zeckenart ist die Auwaldzecke. Sie ist aggressiv und läuft zu ihren Opfern, d.h. sie wartet nicht auf Ihre Opfer an einen Grashhalm wie der Gemeine Holzbock. Sie ist größer als der Holzbock (vollgesogen etwa 16mm groß) und man erkennt sie am hellen Rückenschild mit braunen Streifen oder Pünktchen. Auch sie überträgt vor allem die Babesiose des Hundes.

Auwaldzecke, eine eingwanderte Zeckenart

Eingewanderte Zeckenarten

Im Kreis Rendsburg-Eckernförde wurde eine sehr große tropische Zecke entdeckt, die Hyalomma Zecke. Diese kann das tödliche Krim-Kongo Fieber übertragen, jedoch trug bisher keine der bislang in Deutschland gefundenen Zecken diesen Virus in sich.  Die insgesamt 7 gefunden Zecken fanden sich bislang nur an Pferden und Schafen, können jedoch auch Hunde befallen.  

Hyalomma Zecke im Verglich zum Gemeinen Holzbock

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